SALON



Herr U ist die Kurzbezeichnung für Herrn Unbekannt.

Wir haben in ihm einen Vertreter, dessen visuelle Mobilität im postdemokratischen Zeitalter ständig zunimmt. Eine heftige Ungeduld als natürliche Triebkraft, forciert durch die Speedisierung von Anfrage und Ablieferung, macht die Malerei und Texte damit fast rein additiv. Die vollständige Aufhebung des Sinns wird leider nur zuweilen von ihm erfüllt. Am auffallendsten äußert sich bei ihm der Dualismus aus ruck- und stoßweiser Neo-Wirklichkeit und abendländischer Permanenz in der Ungeklärtheit seiner Ansichten, welche zwischen Freiheit und Bindung herumrudern. Seine Kindheit in Ost-Berlin ist soweit bewältigt, wie die Treuhand-Geschichten abgewickelt. Die persönliche Erfahrung der Verschiebung ideologischer Fundamente von antiimperialistischer Grundausbildung zur liberalen Servicegeste hat sich insofern als nützlich erwiesen, da in der Malerei, der Zeichnung und in den Texten von Herrn U das Unvereinbare harmonische Allianzen schmiedet. 

Derzeit befindet sich der Künstler in dauerhafter Unruhe, da nicht ganz zu klären ist, wie die wahllose Häufung von Wirklichkeitswahnsinn in eine einzelne Kiste passen soll.